Herzlich willkommen

intro

 

Lassen Sie sich beschenken durch schöne Geschichten, weihnachtliche Verse, inspirierende Texte und kleine Impulse.

Für den gemütlichen Nachmittag am Kamin, den langen Adventsabend oder die ruhige Minute zwischendurch. Allein, zu zweit, mit der Familie oder in größerer Runde.

Entdecken Sie bewegende Ereignisse, die sich an Weihnachten ereignet haben, winzig kleine Wichtigkeiten, die das Fest zum Fest machen und Erfahrungen, die das Leben – vielleicht auch Ihr Leben – verändern können.

Sternstunden

Es gibt sie noch, die besonderen Momente,
die unser Leben bereichern und verändern.
Wir können sie zwar nicht planen, aber wer in diesen
Wochen mit Erwartungen und wachen Sinnen lebt,
auf den wartet vielleicht tatsächlich die eine oder andere
Sternstunde im Advent.
Nicht zuletzt deshalb, weil Gott uns durch Jesus Christus
auch heute noch beschenken und segnen möchte.
Er ist der Lebendige, der weiß, wie es uns geht, und uns liebt.
Immer nur ein Gebet weit entfernt,
bringt er schon jetzt ein Stück Himmel auf die Erde
und will uns ewiges Leben schenken. Es lohnt sich,
ihm dafür das Herz zu öffnen.

B. Matzel


Aller Welt wird offenbart:
Der Tag des Herrn ist da.
In Jesus Christus, seinem Sohn,
kommt Gott uns Menschen nah.

Unvergessliche Begegnungen

Die Geschichte vom schwarzen Schaf an der Krippe hören Sie mit freundlicher Genehmigung von Tilmann Kugler. Die Geschichte von Paul hat Jürgen Welzel aufgeschrieben. Gesprochen von E.-A. Schepmann, P. Schepmann, F. Poolmann und C. Mischke. © Stiftung Marburger Medien


Die CD können Sie hier bestellen: shop.marburger-medien.de

Die Geschichte von Sammy, dem schwarzen Schaf an der Krippe, können Sie als Kuschelkarte KP204 mit echter Schafwolle hier bestellen: shop.marburger-medien.de

kp204

Ich steh an deiner Krippen hier

Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und lass dir’s wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht,
wie schön sind deine Strahlen!

Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
dass ich dich möchte fassen!

Wann oft mein Herz im Leibe weint
und keinen Trost kann finden,
rufst du mir zu: „Ich bin dein Freund,
ein Tilger deiner Sünden.
Was trauerst du, o Bruder mein?
Du sollst ja guter Dinge sein,
ich zahle deine Schulden.“

Du fragest nicht nach Lust der Welt
noch nach des Leibes Freuden;
du hast dich bei uns eingestellt,
an unsrer Statt zu leiden,
suchst meiner Seele Herrlichkeit
durch Elend und Armseligkeit;
das will ich dir nicht wehren.

Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen:
dass ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So lass mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

Paul Gerhardt

 

Der helle Morgenstern

Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Jochen Klepper

Die neue Krippenfigur

Die Geschichte von Margot Langner wurde gesprochen von E.-A. Schepmann, P. Schumann und F. Poolmann. © Stiftung Marburger Medien


Begonnen mit der Weihnachtskrippe hatte der Großvater. Er hatte sie auch vollendet. In dem Stall lag das Kind in der Futterkrippe. Maria saß daneben und Josef stand bei ihnen. Engel musizierten in der Höhe, Hirten und Könige beteten das Kind an. Doch damit war der Großvater nicht zufrieden gewesen. Zu jedem Weihnachtsfest schnitzte er eine neue Figur. So folgten Ochs und Esel, Schafe und Ziegen. Auf dem Dach saßen Nachtigall und Lerche und stimmten mit in den Lobgesang ein. Ein graugrüner Frosch lugte neben dem Stall mit blanken schwarzen Augen zum Christkind empor.

Längst hatte der Vater das Amt vom Großvater übernehmen müssen. Es wurde nun von Jahr zu Jahr schwieriger, eine neue Gestalt zu finden. Der Vater hatte Kinder geschnitzt, seine beiden eigenen, dann die Nachbarskinder. Das geschah heimlich, ohne dass sie davon wussten. Sie waren die ganze Zeit darauf gespannt, wer es diesmal sein würde. Welche Überraschung und Freude gab es dann am Weihnachtstag, wenn sie sich erkannten. ‚Hier bin ich!“, rief es. Und: ,,Dort komme ich!“ —,‚Ich trage einen Tannenzweig!“ — „Und ich einen Stern!“ Die Krippe war so groß geworden, dass sie einen halben Tisch einnahm.

Doch in diesem Jahr wollte dem Vater nichts einfallen, so sehr er auch grübelte und überlegte. Was sollte er noch Neues schaffen? Es fehlte niemand, der zur Krippe gehörte. Die Kinder allerdings würden enttäuscht sein, wenn er plötzlich aufhörte. Sie freuten sich bereits auf die neue Gestalt. Gut, sollten sie selbst einen Vorschlag bringen. „Ihr müsst mir helfen“, begann der Vater. ,,Ich weiß nicht, was ich in diesem Jahr für die Krippe schnitzen soll. Vielleicht findet ihr eine Lösung. Schreibt mir euren Wunsch auf! Bis zum zweiten Advent möchte ich ihn haben. Aber keiner darf vom anderen wissen. Auch die Mutter nicht.“

Die Kinder waren begeistert. Für sie schien das durchaus keine Schwierigkeit zu sein. Schon am nächsten Tag überreichte der zwölfjährige Sohn seinen Vorschlag. Der Vater war neugierig. Er schickte den Jungen hinaus, entfaltete hastig das Blatt und las: „Ich wünsche mir, dass du dich schnitzt. Du musst dich mit einer Kamera und mit einer Zeitung oder einem Buch schnitzen, da weiß jeder sofort, dass du es bist, Papa.“ ,‚Hmm“, machte der Vater nur. Sein Sohn sah ihn also mit in der Reihe derer, die zur Krippe gingen. Das wunderte ihn, dass dies von ihm verlangt wurde, denn er stand in keinem rechten Verhältnis zu diesem Kind in der Krippe, obwohl er nicht zu dessen Gegnern gehörte. Durchaus nicht. Nur der Gedanke, dass er mit dazugehören sollte zu den Hirten, Königen und Kindern, erschien ihm abwegig, und er schüttelte den Kopf.

Nun war er gespannt auf den Vorschlag der jüngeren Tochter. Er erhielt ihn wenig später. Sie versicherte ihm dabei: ,,Niemand weiß davon, Vati. Ich habe es mir ganz allein ausgedacht und auch allein aufgemalt.“ Der Vater musste lachen, als er das Kunstwerk betrachtete. Auf dem Blatt, sorgsam mit bunten Farben ausgemalt, sah er einen Mann, wie ihn Sechsjährige zu malen pflegen: ovaler Körper, auf dem eine Kugel als Kopf saß. Ein Dreieck deutete die Nase an und ein Bleistiftpunkt das Auge. Auf dieser Kugel thronte ein runder Hut. Die beiden Röhren unterhalb des Körpers sollten die Hosen darstellen, aus denen zwei unwahrscheinlich lange Schnabelschuhe herausragten. Damit dem Vater kein Zweifel aufkommen konnte, hatte die Tochter mit großen Buchstaben darunter ge­schrieben: Das ist Vati. Der Vater lachte nicht mehr. Er war sogar sehr ernst geworden. Langsam stand er auf und sah in einen Spiegel. Das war er: Anfang vierzig, Germanist, Fotograf und Journalist. Nein, er mochte den Wunsch seiner Kinder nicht erfüllen. Wenn Besuch kam und sie entdeckten ihn in der Reihe der zur Krippe Ziehenden! Wie peinlich das sein konnte! Es ging nur an für Kinder.

Bald holte er die Krippe vom Boden und packte sorgfältig die einzelnen Teile aus. Dies hier hatte sein Vater geschnitzt. Liebevoll strichen seine Hände über die Schafe und Tauben. Der hatte nicht gezögert, sich in die Reihe der Anbetenden zu gesellen. Jenem Hirten hatte er seine Züge verliehen. Zuletzt wickelte der Mann ein Stück Holz aus. Ach, das war Lindenholz, aus dem die neue Figur entstehen sollte. Er nahm das Messer und begann. Span um Span fiel zu Boden. Schon war die Gestalt im groben Umriss zu erkennen. Ein Mann mit einem Buch in der Hand. So schnitzte sich der Vater doch, eigentlich gegen seinen Willen. War es deswegen, weil er seine Kinder nicht enttäuschen wollte, oder darum, weil ihn die Weihnachtsgeschichte nicht losließ und ihn mehr beschäftigte als je zuvor? Er hätte es selbst nicht beantworten können.

So baute er an Heiligabend die Krippe auf. Dann entzündete er die Kerzen am Weihnachtsbaum und rief die Mutter und die Kinder. Bevor sie nach den Geschenken schauten, liefen sie zur Krippe und suchten die neue Gestalt. „Das ist Vati!“, jubelte das Mädchen. „Er steht aber so abseits“, bemerkte der Junge und wollte die Figur näher an die Schar der Kinder heranrücken. „Lass!“, widersprach der Vater. „Sie soll so stehen bleiben, am Rand.“ „Die Hauptsache ist doch, dass sie mit auf die Krippe zugeht“ sagte das kleine Mädchen und ahnte nicht, wie sehr der Vater von ihren Worten betroffen war. Er wollte am Rand stehen, nur von weitem das Kind sehen. Das war bereits viel für ihn. Aber mit auf die Krippe zuschreiten, das konnte nicht von ihm verlangt werden. „Was hast du?“, fragte die Frau. „Du bist so still. Freust du dich nicht?“ „Doch, doch“, versicherte der Mann und zwang sich, nicht mehr an die Figur, die auf die Krippe zuging, zu denken.

In den Weihnachtstagen kam viel Besuch. Alle bewunderten die Krippe. „Reizend“, sagte eine Dame, „die süßen Engel, die Vögel und hier der niedliche Frosch, wirklich entzückend.“ Und nachdem sie die Krippe eingehender gemustert hatte, rief sie aus: „Was ist denn das hier? Das ist ja ganz modern, sicher ein Intellektueller.“ „Das ist Vati“, erklärte das kleine Mädchen stolz. „Wirklich?“, rief die Dame und wandte sich zum Vater. „Welch glücklicher Einfall, dass Sie sich mit in die Märchenfiguren eingereiht haben,“ „Das ist kein Märchen“, entrüstete sich die Kleine. „Das ist Wirklichkeit, nicht wahr, Vati?“ Dabei sah sie den Vater mit hellen Augen an, dass er es nicht über sich gebracht hätte, sein Kind zu enttäuschen, und so nickte er ihm bejahend zu. „Natürlich, mein Kind“, bestätigte nun auch die Dame, „glaube nur daran.“ Und zu den Umstehenden sagte sie: „Freilich, man soll den kindlichen Glauben nicht zerstören. Sie kommen von allein dahinter.“

„Aber warum so bescheiden?“, ließ sich jetzt eine männliche Stimme vernehmen, die anschließend in gutmütiges Lachen fiel. „So ist er immer, unser Helmut, der drängt sich nie vor.“ Dabei fasste der Sprecher die neue Krippenfigur und stellte sie ganz vorn hin, zwischen die Hirten und die Könige. Alle nickten zustimmend. Diesmal widersprach der Vater nicht. Diesmal ließ er es geschehen, dass er mitten unter den Anbetenden stand, nicht weil es ihm zum Anbeten zu Mute war, sondern einfach darum, weil ihm das Gespräch leid wurde. „Nun stehen Sie unter den ganz Frommen“, ließ sich wieder die Dame vernehmen, und viele lachten dazu. Das Lachen klang dem Mann am anderen Tag noch in den Ohren, als er die Figur wegnahm. Er gehörte nicht zu den Anbetenden, nicht einmal zu denen, die am Rand standen und einen Lichtschimmer von dem Glanz des Kindes zu erhaschen suchten. Er öffnete das Fenster und warf die Figur hinaus. Nun würde er Ruhe haben. Es war ohnehin fast gegen seinen Willen, dass er sich geschnitzt hatte.

Die Kinder bemerkten bald, dass die Figur fehlte. „Sie hat doch nicht so recht hineingepasst“, erklärte der Vater, „sie war zu modern.“ „Das war ja gerade das Großartige“, bemerkte der Junge. „Schnitzt du eine neue?“, fragte das Mädchen. „Nein“, antwortete der Vater. Das Mädchen schien das „Nein“ des Vaters nicht zu hören, denn es redete munter weiter. „Weißt du, du musst dich als Knieenden schnitzen und eines deiner Bücher oder deine Kamera in der Hand halten.“ „Warum das?“, fragte der Vater. „Die Hirten und Könige beschenken es doch auch. Wir haben jetzt keine Myrre und kein Gold. Wir müssen das schenken, was wir besitzen. Aber …“, und hier sah es den Vater aufmerksam an, „du denkst vielleicht, sie lachen dich wieder aus.“ „Wann lachten sie mich aus?“ „Gestern, weil du unter den Frommen gestanden hast. Bist du gar nicht fromm, Vati?“ Der Mann schwieg. Er spürte, es nützte nichts, dass er die Figur weggeworfen hatte. Das Kind in der Krippe ließ ihn nicht wieder los. Es fasste immer mehr nach ihm. Es zwang ihn zur Entscheidung. „Bist du nicht fromm?“, wiederholte das Mädchen seine Frage, da der Vater nicht antwortete. „Nein, das bin ich wohl noch nicht“, bekannte er zögernd. „Schade“, sagte das Mädchen und verließ das Zimmer.

„Welche Probleme!‘, sagte der Mann und stützte den Kopf in die Hände. Fromm? Wer war noch fromm? Seine Mutter war es gewesen, auch der Vater. Aber er? Und seine Kinder? Waren sie fromm? Überraschend erkannte er, dass er sich darum nie gekümmert hatte. Kannte er seine Kinder überhaupt? Ihr Innerstes? Da hörte er sie beide im Garten tollen. Wenn sie die Figur nun finden würden? Nein, das durften sie nicht. Er ging hinaus und suchte nach ihr. Er suchte in der Hecke des Rhododendron, in dem Gestrüpp der Himbeersträucher, zwischen den welken Blättern der Winterastern, er fand sie nicht. „Nun gut“, dachte er beruhigt, „dann werden sie die Kinder auch nicht finden.“ Er setzte sich an den Schreibtisch und begann, Papiere und Fotos zu ordnen.

Er mochte eine Stunde gearbeitet haben, als plötzlich der Junge in der Tür stand, aufgeregt, kalkweiß: ‚Schnell, Papa, schnell“, keuchte er, „Helga blutet.“ Der Vater jagte davon und hörte das Mädchen schreien. Er riss die Tür zum Kinderzimmer auf. Helga stand am Tisch, aus der linken Hand quoll Blut, das Kleid und Tischtuch bereits mit großen Flecken gefärbt hatte. „Verbandszeug, Schere!“, befahl der Vater dem Jungen. Rasch legte er einen Notverband an. „Wir müssen sofort zum Arzt“, sagte er, „vermutlich muss die Wunde genäht werden.“ Während der Bruder Helga beim Anziehen half, holte der Vater das Auto aus der Garage.

„Wie hast du denn das fertig gebracht?“, fragte der Arzt, nachdem er den Schnitt an der Hand geklammert hatte. Helga schluchzte und sah den Vater ängstlich an. Dieser besann sich, dass er ein Stück Holz und ein Messer auf dem Tisch hatte liegen sehen, ohne danach zu fragen. „Nun komm schon“, ermunterte der Arzt, „der Vater schimpft nicht!“ „Ich wollte eine Figur schnitzen“, stieß Helga hervor. Der Vater wusste plötzlich alles. „Eine Figur?‘, wiederholte der Arzt. „Das ist ja sehr tüchtig von dir, aber besser, du wartest noch ein paar Jahre damit, dann wirst du bestimmt eine Künstlerin.“

Am Abend saßen die Eltern und der Bruder am Bett der Kleinen. Helga wunderte sich, dass niemand mit ihr schimpfte, obwohl es doch verboten war, mit dem Messer Holz zu schneiden. Sie waren alle sehr lieb zu ihr. Und am nächsten Morgen, als die Wunde schon weniger schmerzte, sah sie die neue Krippenfigur, die den Vater darstellte, wieder mit auf dem Tisch stehen. Sie hatte sich zwischen Großvater und Enkelkinder eingereiht.

„Jetzt ist es richtig“, sagte die Kleine, „da gehörst du hin.“ Der Vater nickte und schwieg. Er würde es ihr viel später sagen, dass er lange Zeit nach der Figur im Garten gesucht hatte, bis er sie zwischen den harten Blättern der Christrosen gefunden hatte, und dass ihn in dieser Nacht das Kind in der Krippe bezwungen hatte. Es wollte ihn nicht unter den Abseitsstehenden wissen, sondern führte ihn in die Reihe der Suchenden, die durch das Schauen belohnt werden.

nach einer Erzählung von Margot Langner

Krippenszenen

Der Ochse und der Esel, die hatten ständig Streit.
Sie schimpften und sie motzten bei jeder Kleinigkeit.
„Du bist zu dick und frisst zu viel, für mich bleibt viel zu wenig!“
„Und Deine Stimme ist zu laut, wer leise spricht, ist König.“
So stritten sie wohl jeden Tag, ein End‘ war nicht zu ahnen.
Bis eines Tags die Tür aufsprang und neue Gäste kamen.
Zwei Menschen richteten im Stroh ein Lager für die Nacht.
Weil nirgendwo noch etwas frei, hat man sie hergebracht.
Noch in der Nacht, man glaubt es kaum, gebar die Frau ein Kind.
Es sah’n in stillem Staunen zu das Langohr und das Rind.
Ein winzig kleiner Junge war’s, ganz frisch mit Lockenpracht,
so hat er seinen Eltern die Herzen froh gemacht.
Dann kamen ein paar Hirten, zu sehn das heil’ge Kind,
ein Engel sagte ihnen an, wo man den Kleinen find‘.
Es kam das pralle Leben in diesen dunklen Stall.
Der Stunk war längst vergessen, nur Freude überall.
So wurden Ochs und Esel ergriffen wie noch nie,
dies kleine Wunder machte den beiden weiche Knie.
Und sie erahnten langsam, dass ihre Kleinlichkeit
bisher ihr Leben füllte mit Bosheit und mit Neid.
In ihren Herzen wurd es langsam licht und warm,
„Ein Geschenk des Himmels ist das, was zu uns kam.“
So zog zwischen den Tieren der Frieden wieder ein.
Und so soll er auch heute an Weihnachten gedeih’n
in allen Menschenherzen, die sehen Jesus Christ,
der als Geschenk des Himmel zu uns gekommen ist.
Drum lass‘ ihn in dein Leben. Er macht es reich und gut.
Und gibt dir auch in dunkler Zeit neue Kraft und guten Mut.

Sabine Schwab

Die Kraft der Liebe

Der Heilsarmee-Major Dapozzo erzählte einmal eine ganz eigene Weihnachtsgeschichte. Es ist eine unendlich traurige, aber auch eine sehr schöne Geschichte. Traurig, weil sie von der entsetzlichen Dunkelheit menschlicher Grausamkeit und Sünde spricht; schön, weil sie von der Kraft der Menschen verändernden Liebe und Treue Gottes erzählt.

„Während der NS‑Regierung wurde ich 1943 von einem deutschen Militärgericht zum Tode verurteilt. Da ich verheiratet war und vier Kinder hatte, wurde das Urteil in eine „mildere Strafe“ umgewandelt. Man brachte mich in ein deutsches Konzentrationslager. Neun Monate nach meiner Einlieferung ins Lager wog ich nur noch 90 Pfund. Mein Körper war mit Wunden bedeckt, dazu hatte man mir den rechten Arm gebrochen und mich ohne ärztliche Behandlung gelassen. Am Weihnachtsabend 1943 saß ich mit anderen Männern im Lager zusammen, als mich der Kommandant rufen ließ. Ich erschien mit entblößtem Oberkörper und barfuß. Er dagegen saß vor einer reich ge­deckten, festlichen Tafel. Ich musste stehend zusehen, wie er eine Stunde lang aß. Und in dieser Stunde setzte er mir schwer zu, weil ich Christ war und meinen gefangenen Kameraden von der Hoffnung auf das ewige Leben und von Jesus Christus und seiner Liebe predigte.

In diesem Augenblick wurde ich vom Bösen versucht, und ich hörte in meinem Herzen, wie der Teufel mir zuflüsterte: „Dapozzo, glaubst du immer noch an den Gott des 23. Psalms?“ Und ich flehte still zu meinem himmlischen Vater um Kraft und Mut, und konnte schließlich sagen: „Ja, ich glaube an ihn!“

Eine Ordonanz brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse herein. Der Lagerkommandant begann, auch diese zu essen. Dann wandte er sich an mich. „Deine Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo.“ Ich verstand nicht, was er damit meinte. Dann erkärte er mir: „Seit sieben Monaten schickt dir deine Frau Pakete mit kleinen Kuchen. Ich habe sie mit großem Vergnügen aufgegessen!“ Wieder musste ich gegen die Versuchung ankämpfen, ihn zu hassen und Gott anzuklagen. Ich wusste, dass meine Frau und meine Kinder sehr wenig zu essen hatten. Von ihren ohnehin kargen Rationen hatten sie nun Mehl, Fett und Zucker abgespart, um mir etwas schicken zu können. Und dieser Mann hier hatte die Nahrung meiner Kinder gegessen!

Wieder flüsterte der Teufel mir zu: „Hasse ihn, Dapozzo, hasse ihn!“ Und wieder betete ich. Und Gott bewahrte mich davor, dass der Hass von mir Besitz ergriff. Dann bat ich den Kommandanten, er möge mir doch einen der Kekse reichen. Ich wollte ihn nicht essen, sondern nur anschauen und an meine Kinder denken. Aber der Peiniger gewährte mir meine Bitte nicht. Stattdessen verfluchte er mich. Darauf sagte ich zu ihm: „Sie sind ein armer Mann, Kommandant, doch ich bin reich, denn ich glaube an Gott und bin durch das kostbare Blut Jesu Christi erlöst.“ Da wurde er zornig und schickte mich ins Lager zurück.

Als der Krieg vorüber und ich auf freiem Fuß war, hielt ich Ausschau nach diesem Lagerkommandanten. Die meisten einstmals befehlenden Offiziere waren erschossen worden; ihm jedoch war es gelungen zu entkommen und unterzutauchen. Zehn Jahre lang suchte ich ihn vergebens. Doch schließlich fand ich ihn, und eines Tages ging ich ihn besuchen. Er erkannte mich nicht mehr wieder. Daraufhin sagte ich ihm: „Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?“ Nun erinnerte er sich an all das Grauen.

Er und seine Frau bekamen plötzlich furchtbare Angst. Zitternd fragte er: „Sie sind gekommen, um sich zu rächen?“ ,,Ja“, antwortete ich und öffnete ein Paket, das ich mitgebracht hatte. Ein großer Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann haben wir zusammen Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Der Mann sah mich völlig verwirrt an. Er konnte nicht verstehen, warum ich so handelte. Schließlich begann er zu weinen und bat mich um Verzeihung. Daraufhin sagte ich, dass ich ihm um der Liebe Jesu willen vergeben hatte. Ein Jahr später vertrauten der ehemalige Lagerkommandant und seine Frau ihr Leben Jesus Christus an.

Die Geschichte vom roten Bagger

Die Geschichte von Jürgen Mette wurde gesprochen von E.-A. Schepmann, P. Schumann und F. Poolmann.
© Stiftung Marburger Medien


Ich bin in einem Geschäftshaushalt aufgewachsen, und wir Kinder mussten schon früh kräftig mit anpacken. In der Vorweihnachtszeit ging es besonders hoch her und die Hektik nahm von Jahr zu Jahr zu. Nur an den Adventssonntagen hatte die Familie Vorrang. Es wurde viel gesungen und erzählt. Die Eltern nahmen sich Zeit und machten es uns Kindern richtig schön. Mein Vater war ein Meister im Geschichtenerzählen, und meine Mutter organisierte mit viel Phantasie und wenig Aufwand den romantischen Rahmen.

In unserem Haus wohnte auch eine Witwe, die durch den Krieg ihre Heimat verloren hatte und bei uns untergekommen war. Am Heiligen Abend war sie immer zur Bescherung eingeladen. Nach der Christvesper und einem festlichen Abendessen las Vater das Weihnachtsevangelium vor. Dabei wurde mir die Zeit bis zur Bescherung immer unerträglich lang. Noch ein Lied und noch ein Gebet – endlich war es so weit. Der große Tisch, auf dem die Geschenke lagen, war mit einem Tuch zugedeckt. Als Jüngster durfte ich mit dem Auspacken beginnen. Das erste Geschenk sehe ich heute noch vor mir: Es war ein wunderbarer Werkzeugkasten, den mein Vater selbst geschreinert hatte. Doch bevor ich mich richtig bei meinem Vater bedanken konnte, reichte mir Tante Babette, die Flüchtlingsfrau aus Ostpreußen, ihr Geschenk. Ein knallroter Plastikbagger. Hohl und schlicht, weder ferngesteuert noch motorisiert, – aber eben knallrot. Dieses einfache Ding faszinierte mich derart, dass der von meinem Vater liebevoll gefertigte Werkzeugkasten für den Rest des Abends unbeachtet unter dem Weihnachtsbaum liegen blieb.

Tante Babette hatte es gut gemeint und war entzückt über meine Begeisterung. Und ich war für den Rest der Heiligen Nacht Baggerfahrer. Plätzchen und Nüsse wurden von der Schüssel auf den Teller gebaggert. Holzklötze und Dominosteine wanderten von einer Kiste in die andere. Ich war völlig verliebt in das rote Plastikgehäuse und vergaß alles andere um mich herum. Wahrscheinlich habe ich das Ding sogar mit ins Bett genommen. Ein paar Tage nach Weihnachten war der Bagger kaputt. Ich hatte ihn zu Schrott gebaggert.

Erst jetzt fiel mir das Geschenk meines Vaters wieder ein. Der Werkzeugkasten … Verschämt holte ich ihn unter dem Weihnachtsbaum hervor. Massives Buchenholz, die Ecken fachmännisch gezinkt, jedes Werkzeug war durch eine hölzerne Halterung fixiert, das ganze sauber lackiert und mit einem Schloss versehen – ein Prachtstück. Plötzlich wurde mir bewusst, wie viel Zeit Vater zugebracht haben muss, um mich damit zu beschenken. Er ging morgens um 6 Uhr in die Zimmerei und kam abends selten vor 18.00 Uhr nach Hause, um dann gleich wieder im Büro zu verschwinden. Den Kasten musste er nachts gebastelt haben. Ich war ihm so viel wert, dass er die wenigen wohlverdienten Stunden Schlaf für mich geopfert hatte. Und ich hatte dieses kostbare Geschenk bisher gar nicht beachtet. Mit feuchten Augen und traurigem Herzen schlich ich irgendwann zu meinem Vater und habe mich bedankt. Er sagte nicht viel, strich mir nur zärtlich über den Kopf und ermunterte mich, nun bald mit dem Werkzeug etwas zu basteln. Damit war ich erlöst. Das war wie eine zweite Bescherung.

Jürgen Mette


Es kann sehr schön sein, an Weihnachten mehr oder weniger tief in den Brunnen seiner Kindheit zu fallen. Doch oft ist es auch ziemlich schmerzhaft und belastend. Wie auch immer wir es erleben: Wenn dabei in unserem Herzen der Wunsch oder sogar die tiefe Sehnsucht wächst, Jesus unser Leben anzuvertrauen, dann ist es vielleicht genau der Weg, auf dem wir Frieden für unser Leben finden.

Das folgende Gebet ist ziemlich schlicht. Aber wenn es Ihrem Bedürfnis entspricht, dann lade ich Sie ein, es ganz einfach zu Ihrem eigenen zu machen.

„Herr Jesus Christus. Hier bin ich.
Mit einem Herzen voller Gefühle und voller Sehnsucht.
Danke, dass das Fallen in den Brunnen meiner Erinnerungen bei dir sein Ziel finden darf.
Nimm dieses Fallen in deine Hände.
Nimm mein Leben in deinen Schutz und Frieden.
Bitte komm in mein Herz und verlass mich nie mehr.
Amen.“