Die Geschichte von Jürgen Mette wurde gesprochen von E.-A. Schepmann, P. Schumann und F. Poolmann.
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Ich bin in einem Geschäftshaushalt aufgewachsen, und wir Kinder mussten schon früh kräftig mit anpacken. In der Vorweihnachtszeit ging es besonders hoch her und die Hektik nahm von Jahr zu Jahr zu. Nur an den Adventssonntagen hatte die Familie Vorrang. Es wurde viel gesungen und erzählt. Die Eltern nahmen sich Zeit und machten es uns Kindern richtig schön. Mein Vater war ein Meister im Geschichtenerzählen, und meine Mutter organisierte mit viel Phantasie und wenig Aufwand den romantischen Rahmen.

In unserem Haus wohnte auch eine Witwe, die durch den Krieg ihre Heimat verloren hatte und bei uns untergekommen war. Am Heiligen Abend war sie immer zur Bescherung eingeladen. Nach der Christvesper und einem festlichen Abendessen las Vater das Weihnachtsevangelium vor. Dabei wurde mir die Zeit bis zur Bescherung immer unerträglich lang. Noch ein Lied und noch ein Gebet – endlich war es so weit. Der große Tisch, auf dem die Geschenke lagen, war mit einem Tuch zugedeckt. Als Jüngster durfte ich mit dem Auspacken beginnen. Das erste Geschenk sehe ich heute noch vor mir: Es war ein wunderbarer Werkzeugkasten, den mein Vater selbst geschreinert hatte. Doch bevor ich mich richtig bei meinem Vater bedanken konnte, reichte mir Tante Babette, die Flüchtlingsfrau aus Ostpreußen, ihr Geschenk. Ein knallroter Plastikbagger. Hohl und schlicht, weder ferngesteuert noch motorisiert, – aber eben knallrot. Dieses einfache Ding faszinierte mich derart, dass der von meinem Vater liebevoll gefertigte Werkzeugkasten für den Rest des Abends unbeachtet unter dem Weihnachtsbaum liegen blieb.

Tante Babette hatte es gut gemeint und war entzückt über meine Begeisterung. Und ich war für den Rest der Heiligen Nacht Baggerfahrer. Plätzchen und Nüsse wurden von der Schüssel auf den Teller gebaggert. Holzklötze und Dominosteine wanderten von einer Kiste in die andere. Ich war völlig verliebt in das rote Plastikgehäuse und vergaß alles andere um mich herum. Wahrscheinlich habe ich das Ding sogar mit ins Bett genommen. Ein paar Tage nach Weihnachten war der Bagger kaputt. Ich hatte ihn zu Schrott gebaggert.

Erst jetzt fiel mir das Geschenk meines Vaters wieder ein. Der Werkzeugkasten … Verschämt holte ich ihn unter dem Weihnachtsbaum hervor. Massives Buchenholz, die Ecken fachmännisch gezinkt, jedes Werkzeug war durch eine hölzerne Halterung fixiert, das ganze sauber lackiert und mit einem Schloss versehen – ein Prachtstück. Plötzlich wurde mir bewusst, wie viel Zeit Vater zugebracht haben muss, um mich damit zu beschenken. Er ging morgens um 6 Uhr in die Zimmerei und kam abends selten vor 18.00 Uhr nach Hause, um dann gleich wieder im Büro zu verschwinden. Den Kasten musste er nachts gebastelt haben. Ich war ihm so viel wert, dass er die wenigen wohlverdienten Stunden Schlaf für mich geopfert hatte. Und ich hatte dieses kostbare Geschenk bisher gar nicht beachtet. Mit feuchten Augen und traurigem Herzen schlich ich irgendwann zu meinem Vater und habe mich bedankt. Er sagte nicht viel, strich mir nur zärtlich über den Kopf und ermunterte mich, nun bald mit dem Werkzeug etwas zu basteln. Damit war ich erlöst. Das war wie eine zweite Bescherung.

Jürgen Mette


Es kann sehr schön sein, an Weihnachten mehr oder weniger tief in den Brunnen seiner Kindheit zu fallen. Doch oft ist es auch ziemlich schmerzhaft und belastend. Wie auch immer wir es erleben: Wenn dabei in unserem Herzen der Wunsch oder sogar die tiefe Sehnsucht wächst, Jesus unser Leben anzuvertrauen, dann ist es vielleicht genau der Weg, auf dem wir Frieden für unser Leben finden.

Das folgende Gebet ist ziemlich schlicht. Aber wenn es Ihrem Bedürfnis entspricht, dann lade ich Sie ein, es ganz einfach zu Ihrem eigenen zu machen.

„Herr Jesus Christus. Hier bin ich.
Mit einem Herzen voller Gefühle und voller Sehnsucht.
Danke, dass das Fallen in den Brunnen meiner Erinnerungen bei dir sein Ziel finden darf.
Nimm dieses Fallen in deine Hände.
Nimm mein Leben in deinen Schutz und Frieden.
Bitte komm in mein Herz und verlass mich nie mehr.
Amen.“